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4
Mrz
2013

Bewahren oder Handeln?

Regenbogenfamilien sind in den Medien präsent wie noch nie. Gestern schaffte es das Thema „Kinder, Steuer, Ehe – gleiches Recht für Homosexuelle?“ in den ARD-Talk mit Günther Jauch.

Haus und Regenbogenflagge

Gleiches Recht auf Bügrerlichkeit? – Foto: © Giovanni Cancemi – Fotolia.com

Im Gegensatz zu der wirklich sehr ärgerlichen Plasberg-Sendung vor einigen Wochen war die Besetzung diesmal wesentlich ausgeglichener. Ein FAZ-Journalist und die CDU-Politikerin Katherina Reiche forderten mit den altbekannten Argumenten die Privilegierung von Ehe und Heterosexualität. Dagegen argumentierten der schwule CDUler Thomas Kaufmann, Thomas Welter, schwuler Vater und Henning Scherf (SPD), dessen Tochter in einer Regenbogenfamilie mit zwei lesbischen Müttern und zwei schwulen Vätern lebt.

Argumentatorisch gab es wenig Neues, durch die Abwesenheit katholischer Hardliner blieb uns allerdings die ewige Natürlichkeitsdebatte weitgehend erspart. Katherina Reiche zeigte eindrücklich, wie substanzlos die Argumente der „Bewahrer“ sind. Gebetsmühlenartig redete sie von der Gefahr der Beliebigkeit, die den Schutz der Ehe aufweiche. Dabei sei es doch die oberste Pflicht des Staates, für den Fortbestand des Volkes zu sorgen und Kinder könnten nun einmal nur Mann und Frau zusammen zeugen. Abgesehen davon, dass diese biologische Tatsache mit den gesellschaftlichen Themen Regenbogenfamilien und soziale (Mehr-)Elternschaft nur am Rande zu tun hat, konnte sie auch nicht erklären, warum die Abschaffung einer Diskriminierung die Zeugungsfreudigkeit heterosexueller Paare mindern sollte.

Spätestens nach der dritten Wiederholung des ewig Gleichen blieb einem nur der innerliche Ausruf: „Hören Sie auf, meine Ohren bluten“. Auch FAZ-Journalist Reinhard Müller konnte dem wenig hinzufügen. Auf der anderen Seite gelang es vor allem Thomas Kaufmann, die Argumente überzeugend auf den Punkt zu bringen. Ihm war die Erfahrung zahlreicher ähnlicher Diskussionen in seiner Partei deutlich anzumerken. Thomas Welter hob die Dringlichkeit einer gesetzlichen Gleichstellung hervor. Henning Scherf war gewissermaßen für die emotionale Seite des Themas zuständig. Eindrucksvoll zeigte er seine Unterstützung und Begeisterung für seine Tochter und ihre Familie. Er packte die CDU-Politikerin Reiche bei ihrer Verfassungstreue und plädierte für ein erweitertes Familienkonzept.

In der Sendung wurde ein gesellschaftlicher Trend sichtbar. Offensichtlich befinden sich die konservativen Kräfte in der CDU in einem Rückzugsgefecht. Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage, ob die Partei lieber selbst handelt oder sich erneut durch einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes aufscheuchen lassen will.

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