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24
Mrz
2014

Lewitscharoff leert die Reihen

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff bekräftigt auf der lit.Cologne ihre Dämonisierung künstlicher Befruchtung.

Auch in Zukunft wünschen wir Frau Lewitscharoff von Herzen leer Stuhlreihen, vor allem wenn es um das "Fortpflanzungsgemurkse" geht. - Foto: © cardinalem - Fotolia.com

Auch in Zukunft wünschen wir Frau Lewitscharoff von Herzen leer Stuhlreihen, vor allem wenn es um das „Fortpflanzungsgemurkse“ geht. – Foto: © cardinalem – Fotolia.com

Im Gespräch mit Moderatorin Bettina Böttinger zeigte sich die Georg-Büchner-Preisträgerin uneinsichtig, lediglich einzelne Formulierungen nahm sie zurück. So bedauerte sie es, Kinder, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, als „Halbwesen“ bezeichnet zu haben, was sie kurz zuvor in der FAZ noch verteidigt hatte.

Ende März hatte Lewitscharoff im Rahmen Dresdner Reden den Versuch unternommen, sich an Tod und Leben abzuarbeiten. Insbesondere zum Thema Leben fiel ihr dabei vor allem viel Todesschweres und Diskriminierendes ein: pränatale Diagnostik, Abtreibung und künstliche Befruchtung montierte sie zu einem Cocktail des Widerwärtigen. Auffallend ist dabei neben den empörenden Vergleichen – etwa mit den von Nazis eingerichteten Kopulationsheimen zur Zucht des angemessen blauäugigen Nachwuchses – die seelentrommlerische Wortwahl.

Für das „gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse“ bemüht sie – nicht zum ersten Mal in ihrer Rede – das Attribut widerwärtig, Leihmutterschaft erscheint ihr „grauenerregend“ und ist in ihren Augen eine „wahrhaft vom Teufel ersonnene Art, an ein Kind zu gelangen“. Auch lesbische Paare, die sich „ein Kind besorgen“ finden ihre Erwähnung, auch dies – man ahnt es schon – Teil ihres Horrorszenarios, in dem „Frau Doktor und Herr Doktor Frankenstein“ am Werk sind.

Neben dem verstörend predigenden Duktus wirkt vor allem die rasende Intoleranz unter dem altbekannten Verweis auf die Natürlichkeit erschütternd. Im Dresdner Publikum fand sich allerdings niemand, Widerstand auszudrücken. Umso dankbarer sind wir den Kölner Lit.Cologne Besucher_innen, die reihenweise die Veranstaltung verließen, als ihnen auf Nachfrage Böttingers zunehmend klar wurde, wes Geistes Kind ihnen an diesem Abend vortragen würde.

Die Dresdner Rede Lewitscharoff könnt Ihr auf der Website des Staatsschauspiels Dresden als pdf-Datei herunterladen, wer es erträgt, kann auch einen Mitschnitt anhören. Mehr über die Veranstaltung auf der Lit.Cologne findet Ihr bei Spiegel online.

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