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5
Apr
2017

Regenbogenkinder kunstvoll vernetzen

Judith Stursberg, 20 Jahre alt, ist in einer Regenbogenfamilie in Bonn aufgewachsen. Ab dem 28.04. bietet sie in Kooperation mit dem Rubicon in Köln ein Kunstprojekt für Kinder aus RGBF an. Wir haben nachgefragt, wie es dazu kam.

Judith Stursberg studiert zur Zeit soziale Arbeit im 4. Semester. Mit dem Schwerpunkt ‚Gender in der Sozialen Arbeit‘ und ihrer Kreativität möchte sie durch dieses Projekt zur Vernetzung von Kindern aus Regenbogenfamilien beitragen.

Ein Kunstprojekt für Kinder aus Regenbogenfamilien – das ist eine wirklich schöne Idee. Wie bist Du darauf gekommen?

Die Idee entstand aus einer spontanen Situation heraus – in einem Gespräch mit einer Freundin. Ich sprach darüber, dass ich im Rahmen meines Studiums, in dem ein einjähriges Projekt Bestandteil ist, gerne ein ‚besonderes‘ Projekt machen möchte, das sich auch mit meinen persönlichen Ressourcen verbinden lässt. Irgendwann schoss mit die Idee in den Kopf, eine Kunst-AG für Kinder aus Regenbogenfamilien zu realisieren, und die besagte Freundin schaute mich an und sagte nur: “Das ist es. Das musst du machen“.

Warum glaubst Du, ist es wichtig für Kinder aus Regenbogenfamilien, sich miteinander zu vernetzen?

Kinder aus Regenbogenfamilien sind bis heute – leider – immer noch eine Besonderheit. Diese Kinder sehen sich oft als anders, sie sind eine Minderheit. Ich möchte ihnen die Möglichkeit geben, sich zu vernetzen, damit sie andere Kinder kennen lernen, die ähnlich aufwachsen wie sie selbst. Sie wachsen mit dem Geschenk auf, das Besondere als Normal zu empfinden; das möchte ich stärken.

Du bist selbst in einer Regenbogenfamilie groß geworden. Damit gehörst Du sicher zu den „Pionierinnen“. Wie war das für Dich?

Normal. Ich kenne es nicht anders, ich bin Kind einer homosexuellen Mutter und eines heterosexuellen Vaters und es war für mich immer normal und eigentlich keiner Rede wert. Dennoch war ich damit immer besonders und war ständig Fragen über meine “zwei Mamas“ und meine “komische Familie“ ausgesetzt. Ich kannte nur ein anderes Kind aus einer Regenbogenfamilie und würde mir rückblickend wünschen, dass es mehr gewesen wären.

Siehst Du einen Unterschied zwischen Deiner Situation als Kind und Jugendliche und der von Regenbogenkindern heute?

Ja. Diese Frage muss ich zweigeteilt beantworten.

Auf der einen Seite sind Kinder aus Regenbogenfamilien immer häufiger zu finden und es wird durch Vereine wie Rubicon e.V. oder ähnliche einfacher, sich zu vernetzen. Die Kinder kommen schneller mit ‚Gleichgesinnten‘ in Kontakt, einfach weil die heutigen Netzwerke völlig neue Möglichkeiten bieten.

Auf der anderen Seite werden Schimpfwörter wie ‚Schwuchtel‘ auf Schulhöfen seit Jahren immer populärer. Ich denke, dass diese Wörter Kinder von Homosexuellen einschränken und beängstigen, da sie stigmatisieren, dass Homosexualität als nicht gewollt gilt. Sie sind damit einer Situation ausgesetzt, die sie vor die Wahl stellt und viele Kinder unter Druck setzt.

Insgesamt ist die Situation also definitiv anders für Kinder und Jugendliche, die heute in Regenbogenfamilien aufwachsen, als sie es damals für mich war.

Gab es Unterstützung für Dich und was hättest Du Dir vielleicht noch gewünscht?

Unterstützung ist sehr vielseitig. Ich habe nie an Angeboten teilgenommen, die gezielt Kinder aus Regenbogenfamilien zusammenbringen. Meine Mutter war zeitweise bei den Lesbischen Müttern Köln aktiv. Ich selbst hatte aber keine Vernetzungsmöglichkeiten, auch wenn mich meine Eltern immer unterstützt haben. Rückblickend hätte mich eine solche AG, wie ich sie heute realisiere, sicherlich begeistert und unterstützt in dem Bewusstsein, dass ich gar nicht so anders bin.

Können wir uns auf weitere Projekte zu und mit Regenbogenfamilien von Dir in Zukunft freuen?

Ja, definitiv. Mein Praxisprojekt zieht sich bis Ende des Jahres und es wird verschiedene Angebotsformen im Bereich der Gruppenarbeit mit Kindern aus Regenbogenfamilien geben. Und wenn ich fertig bin mit meinem Studium, zieht es mich sicher wieder in diesen Fachbereich.

Wir hoffen, dass Eure Kinder genauso begeistert von dem Angebot sind wie wir. Alle weiteren Informationen findet Ihr im Flyer.

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