Adoption

Adoption könnte ein guter Weg für Schwule und Lesben sein, um ihren Familienwunsch zu realisieren. Der Konjunktiv ist hier allerdings sehr angebracht, denn eine Inlandsadoption ist für homosexuelle Paare in Deutschland nahezu unmöglich. Prinzipiell müsst Ihr einige Bedingungen erfüllen: So darf z.B. der Altersabstand zum adoptierten Kind nicht größer als 40 Jahre sein. Wer also einen Säugling adoptieren möchte, kann das nur bis zu einem Alter von 40.

Bekanntgeworden ist der Fall eines schwulen Paares in Dresden, das einen Jungen adoptiert hat. Dabei handelt es sich aber um eine Ausnahme. Und auch hier gibt es einen Haken: Offiziell adoptieren konnte nur einer der beiden Väter. Eine gemeinschaftliche Adoption ist in Deutschland auch bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft nicht möglich. Praktisch hat dieses Verbot aber seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2013 zur Sukzessivadoption (1 BvL 1/11 u. 1 BvR 3247/09, BVerfGE 133, 59) keine Bedeutung mehr. Verpartnerte Schwule und Leseben können es dadurch umgehen, dass sie ein Kind nacheinander adoptieren.

Nur wenige Inlandsadoptionen

In der Regel ist es schon als Heteropaar nicht ganz einfach, ein Kind in Deutschland zu adoptieren. Nur wenige Kinder werden zur Adoption freigegeben. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland laut Statistischem Bundesamt weniger als 4000 Kinder adoptiert – davon waren mehr als 50 % Stiefkindadoptionen. Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen geben immer weniger Eltern in Deutschland ihr Kind zur Adoption frei.

In vielen Fällen werden die Kinder stattdessen in Pflegefamilien untergebracht. Der Vorteil für die leiblichen Eltern: Sie haben in der Regel die Möglichkeit, Kontakt zu ihrem Kind zu halten. Alle, die trotzdem adoptieren wollen, brauchen Geduld: Durchschnittlich warten heterosexuelle Paare ein bis zwei Jahre auf Adoptivkinder. Auf ein zu adoptierendes Kind kommen ungefähr zehn Bewerberpaare.

Auslandsadoption: nur mit anerkannten Vermittlungsstellen

Als Alternative denkt Ihr vielleicht über eine Auslandsadoption nach. Der Weg einer Auslandsadoption führt im Gelingensfall von der Eignungsprüfung durch ein deutsches Jugendamt zur Adoptionserlaubnis. Mit der Adoptionserlaubnis könnt Ihr Euch dann an eine internationale Adoptionsvermittlungsstelle wenden. In der Regel müsst Ihr allerdings bei diesen Vermittlungsstellen als Einzelperson auftreten, da eine Vermittlung an Lesben und Schwule nur in seltenen Fällen erfolgt. Ihr müsst Euch also fast immer auf ein Versteckspiel einlassen. Trotzdem solltet Ihr nur mit international anerkannte Adoptionsvermittlungsstellen zusammenarbeiten – ansonsten lauft Ihr Gefahr, Kinderhandel zu unterstützen.

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